Feuerwehr: Nicht kostenlos, sondern unbezahlbar

 Bei der Hauptversammlung in der Schrozberger Stadthalle wurden der Kommandant Marc Möbus und sein Stellvertreter Jochen Östreicher für die nächsten fünf Jahre jeweils mit großer Mehrheit wiedergewählt. Beide sind Jahrgang 1973 und haben diese Funktionen bereits seit zehn Jahren inne; ihre gemeinsame Feuerwehrlaufbahn begann in der Jugendfeuerwehr.Möbus berichtete von einem „eigentlich ganz normalen Jahr 2022“. Und doch war es seit der Landkreis- und Kommunalreform 1973 ein einschneidendes. Damals wurde aus sieben eigenständigen Gemeinde-Feuerwehren die Gesamtfeuerwehr Schrozberg gebildet. Seit der Satzungsänderung im vergangenen Jahr gibt es nun die Abteilung Schrozberg-West, in der die Abteilungen Bartenstein, Ettenhausen und Riedbach aufgegangen sind und die ein neues Feuerwehrhaus am Ortsrand von Bartenstein bezogen hat. Diese Zusammenlegung – und damit die Veränderung der Abteilungsstruktur – verlief ganz unspektakulär, freut sich der Kommandant. Das Spektrum der 61 Einsätze, zu denen die 163 Ehrenamtlichen alarmiert wurden, ist breit: Von der klassischen Katze auf dem Dach, die mit der Drehleiter in Rot am See gerettet wurde, bis zum Großbrand eines holzverarbeitenden Betriebs in Billingsbach, mit einer enormen Hitzeentwicklung. Insgesamt neunmal unterstützen die Schrozberger die umliegenden Feuerwehren bei der Brandbekämpfung, hauptsächlich mit der Drehleiter und Atemschutzgeräteträgern. Weitere fünf Brände, aber auch Fehlalarme von Brandmeldeanlagen, Türöffnungen und Beseitigen von Ölspuren weist die Statistik aus. Dass von Akkus eine Brandgefahr ausgehen kann, bewahrheitete sich in einer Wohnung im Rothenburger Weg. „Der schmorende Akku lag auf dem Tisch, zum Glück waren die Zimmer nur verraucht und es hat sich kein Wohnungsbrand entwickelt“, betrachtete Möbus die kritische Situation in dem Mehrfamilienhaus. Der vor fünf Jahren vom Gemeinderat beschlossene Bedarfsplan werde kontinuierlich umgesetzt, so Möbus. Für die dauerhafte Leistungsbereitschaft der Feuerwehr wurden und werden neue Fahrzeuge beschafft, Feuerwehrhäuser an- und neugebaut und Löschwasserbehälter installiert. Seinen Dank für die Bereitstellung der Finanzmittel richtete er an die Stadtverwaltung und die Mitglieder des Gemeinderats. Dieser war vertreten durch Julian Wenzel (SPD-Fraktion), Susanne Martens von der Wahlgemeinschaft für Jedermann, Friedrich Gackstatter (CDU-Fraktion) und durch Ulrich Herrschner (Freie Wählergemeinschaft). „Doch neben aller Technik“, resümiert Marc Möbus, „sind das Wichtigste in der Feuerwehr die dort tätigen Menschen.“ Um noch mehr Mitbürger zur Mitarbeit in der Feuerwehr zu begeistern – und vor allem auch den Frauenanteil weiter zu erhöhen – steht die Mitgliederwerbung auf Möbus‘ To-Do-Liste.Nicht nur bei Einsätzen arbeiten die Schrozberger Abteilungen und die benachbarten Feuerwehren zusammen. Obendrein organisieren sie gemeinsame Übungen und bilden gemeindeübergreifende Gruppen für das Leistungsabzeichen. In der Führungsgruppe Nord und der Absturzsicherungsgruppe arbeiten ebenfalls Mitglieder verschiedener Feuerwehren zusammen.Dass es „dann läuft“, wenn die Feuerwehr kommt, wüssten alle: Die Verwaltung und die Bürger. Und das auch außerhalb der regulären Feuerwehrtätigkeiten, also auch bei der Unterstützung der Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung oder bei der Unterbringung von Flüchtenden, verdeutlichte der stellvertretende Kreisbrandmeister Armin Klingenbeck den Stellenwert der Freiwilligen Feuerwehren. Er unterstrich dies mit „Feuerwehr ist nicht kostenlos. Sie ist unbezahlbar.“ Um bereits die Jüngsten für die Feuerwehr mit Spaß zu begeistern, sieht Klingenbeck außerdem Kindergruppen als den richtigen Weg.Eine solche besteht seit 2006 neben der Jugendfeuerwehr auch in Schrozberg. Andreas Höfer vom Jugendfeuerwehrteam blickte auf das vergangene Jahr zurück, das vom Kreiszeltlager am Sportgelände mit 320 Teilnehmern geprägt war. Coronabedingt zwar mit einem Jahr Verspätung wurde damit auch das 50-jährige Bestehen der Jugendfeuerwehr gefeiert. 22 Jugendliche und 16 Kinder werden bei regelmäßigen Treffen und Übungen mit Feuerwehrthemen vertraut gemacht. Bei kreisweiten Veranstaltungen, wie der „Challenge“ in Kreßberg oder dem Walter-Klenk-Pokalturnier, war der Feuerwehrnachwuchs ebenfalls am Start. „Die Feuerwehren bilden das Rückgrat des Bevölkerungsschutzes. Dort sind Menschen, die entschlossen handeln.“ So sieht Bürgermeisterin Jacqueline Förderer den wertvollen Dienst der Freiwilligen, die uneigennützig helfen und dabei durchaus ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzten. Und dies vor dem Hintergrund der veränderten globalen Sicherheitslage, dem Klimawandel mit vermehrten Hitzeperioden, sowie der technologischen Entwicklung, die das Leben zwar einfacher mache, aber auch verletzlicher. Förderer betonte, dass die Stadt gemäß dem Bedarfsplan viel in den Bevölkerungsschutz und in die Feuerwehr investiert habe. Sie richtete sich außerdem an alle Arbeitgeber: „Suchen Sie motivierte Menschen in den Reihen der Feuerwehr. Dort werden Sie sie finden“.Ebenfalls motiviert sind die Senioren der Schrozberger Feuerwehr. Elf ehemalige Aktive gehören der Abteilung an, der Karl Hörner vorsteht. Die 70- bis 95-Jährigen müssten zwar langsamer tun, als die Aktiven, haben aber trotzdem den Umzug am Jacobi-Fest mit einer Feuerwehrspritze aus 1903 bereichert und treffen sich regelmäßig zu runden Geburtstagen, Ausflügen oder bei Feuerwehrfesten.Um psychisch belastende Einsätze besser verarbeiten zu können, dankte Kommandant Möbus dem evangelischen Pfarrer Georg Leiberich, stellvertretend für das Kriseninterventionsteam und die Notfallseelsorger, für deren „großartige Hilfe für Betroffene und für Einsatzkräfte“. Wiederum seinen Dank der Kirchengemeinden des Stadtgebiets richtete Leiberich in Versform an die Feuerwehrleute. Darin reimten sich „kompetent und effizient“ und verbunden mit seinem Segen wünschte er „an schäne Sunndich“.    Randnotiz:Ernst wurde es für Stadtbrandmeister Manuel Gerich und Marcus Pfundt (Vorsitzender des Feuerwehrvereins) die als Vertreter der Nachbarfeuerwehr Rothenburg ob der Tauber zur Hauptversammlung der Schrozberger Wehr gekommen waren. Auf der Suche nach einer in Rothenburg vermissten Seniorin war dort die komplette Feuerwehr buchstäblich auf den Beinen, weshalb sich auch die beiden Führungskräfte in Schrozberg verabschieden mussten. Das Essen mit Spätzle und Braten, mit dem die Versammlung startete, war da bereits beendet. Die Seniorin wurde schließlich am Sonntagmorgen aufgefunden und ins Krankenhaus gebracht. Bildunterschriften:Der stellvertretende Kreisbrandmeister Armin Klingenbeck (von links) zeichnete „für 40 Jahre Dienstleistung“ Wilfried Danzer, Jürgen Heimberger und Gerhard Kraft mit dem Ehrenkreuz des Landes Baden-Württemberg in Gold aus. Dieter Fleck darf nun das Silberne Ehrenkreuz für 25-jährigen Feuerwehrdienst tragen. Kommandant Marc Möbus und Bürgermeisterin Jacqueline Förderer gratulierten mit einem Gutschein und einem süßen Präsent.   Werner Jakob (links) wurde zum Oberbrandmeister befördert. Außerdem wurde er für seine langjährige Tätigkeit als Abteilungskommandant der bisherigen Abteilung Riedbach und für seine tatkräftige Mitarbeit mit dem Feuerwehrehrenzeichen in Silber des Kreisfeuerwehrverbands Schwäbisch Hall ausgezeichnet. Er leitet jetzt die neue Abteilung Schrozberg-West. Frank Dräger, einer der beiden Stellvertreter Werner Jakobs, konnte zum Brandmeister befördert werden.  

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